Kitesurfern ist für die Olympischen Spiele 2016 bereit!
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- Mittwoch, 11. April 2012 16:23
Die ISAF-Kiteboard-Versuchsrennen begannen Ende März 2012 in Santander, wo 2014 die Segelweltmeisterschaften stattfinden werden. Die ursprüngliche Aufgabe – ein Renn- und Veranstaltungsformat zu finden, welches das Kiteboarding von seiner besten Seite zeigt – hatte ein erfolgreiches Ergebnis, das dem Segelsport einen neuen Aufschwung verschaffen und es auf das Niveau der X-Games erheben wird. Das neue Format ist für Flotten jeder Grösse geeignet und fügt ausserdem spektakuläre Elemente und Medaillenrennen im KO-Verfahren hinzu, das all diese Dramatik hinzufügt, die andere Sportarten haben, denn so werden Helden gemacht.
Eine sogar wichtigere Aufgabe, nämlich zu zeigen, dass Kiteboarding reif und bereit für die Spiele 2016 ist, wurde mit grossem Erfolg bewältigt. Sowohl das ISAF-Evaluierungspanel wie auch der ISAF-Präsident Goran Petersson und die Vizepräsidentin Teresa Lara waren von den Leistungen und dem Professionalismus beeindruckt - und haben wohl die Aufregung bemerkt, die Kiteboarding hervorruft, um neues Publikum der „Segelfamilie“ zu bringen. Dies betrifft vor allem Kinder in Schwellenländern, denn das Kiteboarding-Equipement ist die günstigste Ausrüstung aller olympischen Klassen, man kann es in jedem Laden an jedem Strand der Welt kaufen, und man braucht keine teure Infrastruktur dafür, keinen Hafen und auch keine weitere Vorbereitungen beim Reisen, denn man kann das Kitesurf-Equipement als normales Gepäck auf jeden Flug mitnehmen.

Die Vertreter des ISAF-Equipment-Komitee haben die Ausrüstungs- und Klassenregeln ausführlich begutachtet – viele Bretter wurden abgemessen und gewogen, und es war definitiv eine Überraschung, dass solche Höchstleistungen mit einer Ausrüstung (inkl. Brett, Drachen, Schwerter, Stangen und Neoprenanzug) von ca. 10 Kilo erzielt werden können.

Die Veranstaltung begann mit Debatten über die Formate, die zu evaluieren waren, glücklicherweis gab es am ersten Tag keinen Wind. Viele Ideen wurden ausgetauscht und schliesslich einigte man sich auf eine Liste von 7 zu testenden Formaten, von Standard Luv/Lee-Sprints bis hin zu Lee-Slaloms mit Sprüngen wie beim Supercross.
Die in Santander anwesenden 18 Segler aus 10 Nationen und 4 Kontinenten entsprachen dem Who is Who der internationalen Segelszene: Der Sprintweltmeister Johnny Heineken, der Slalom-Weltmeister Damien Leroy, die Weltmeisterin Steph Bridge und die Europameisterin Katja Roose wurden von vielen nationalen Meistern begleitet. Und jeder war mehr als begeistert, unseren Sport zu präsentieren, diesmal nicht, um eine Regatta zu gewinnen, sondern sich dafür einzusetzen, damit wir alle ein paar Medaillen für Rio de Janeiro gewinnen.
Mit dem Sonnenschein und den hohen Temperaturen kam der Wind dann am zweiten Tag, genau genug, um die Flotte mit 6 bis 8 Knoten herausfahren und die bekannten Formate durchführen zu lassen – Leev/Luv-Sprint und Slalom. Diese Anordnung wurde daher ausgewählt, um der ISAF eine Grundlage zu geben, was das Kiteboarden genau ist – Segeln um Bojen. Die folgenden Tage waren so geplant, neue Formate auszuprobieren, die noch nie getestet wurden. So konnte man sehen, ob diese besser sind oder ob man dabei bleiben sollte, was man hat.

Einige der Segler waren mit GPS-Geräten ausgestattet, um die Lee- und Luvgeschwindigkeiten aufzuzeichnen. Dabei zeigte sich, dass die Kitesurfer bei Luv etwa 15 Knoten und bei Lee etwa 25 Knoten schnell sind – bei einer Windgeschwindigkeit von 6-8 Knoten bedeutet dies das Vierfache der Windgeschwindigkeit, eine Leistung, die bis jetzt nur von den mehreren Millionen teuren Jachten beim America’s Cup erreicht wurde.
Tag 3 begann mit mehr Wind und einem neuen Format namens Enduro – ein kurzer Lee-Abschnitt und ein Luv-Slalom mit einem Sprung vor der Ziellinie. Dieses Format war ziemlich spannend, aber ihm fehlten einige taktische Optionen, auch wenn die Zuschauer am Strand das Springen und die Tatsache, dass es einfach zu erkennen ist, wer führt, schätzten.

Der Wind nahm für die nächsten zu testenden Formate konstant zu und das Rennkomitee hatte grosse Schwierigkeiten, alle Bojen in einer Rekordzeit zu tauschen und gleichzeitig die Windgeschwindigkeiten, Kurslängen und -winkel im Auge zu behalten. Das nächste Format, das zu testen war, war ein Viereckkurs – ein ziemliches Standardrennen, aber mit zwei kurzen Halbwindabschnitten, um es einfacher verständlich zu machen und weitere Geschwindigkeitsfähigkeiten zu testen.
Der Test war sehr gut, auf zum nächsten: Lee/Luv mit zwei Toren. Dies war taktisch herausfordernd, aber für die Zuschauer schwer zu verstehen, da die Flotte sich komplett trennt und es unmöglich ist herauszufinden, wer führt. Zum Segeln ist dies wunderbar, aber nicht besonders gut für die Zuschauer.
Zu diesem Zeitpunkt war die grösste Überraschung – der Wind war bis auf 18 Knoten angestiegen und der Seegang wurde immer rauer - dass alle Segler immer noch dasselbe Equipment benutzten, wie als sie bei 6 Knoten herausfuhren. Danach haben sich die Debatten über die Klassenregeln und die Beschränkung auf 3 Kites vielleicht als unnötig erwiesen – jeder schien sich auf den grossen Kites wohlzufühlen und es sah so aus, als ob die Segler bei einem Kite während der gesamten Windspanne der olympischen Segelwettbewerbe bleiben konnten.

Etwa um vier Uhr nachmittags – bei immer noch 16-18 Knoten auf der Rennbahn und 1-1.5m Wellen – wurde das letzte Format auf der Liste getestet: ein Lee/Luv-Rennen mit einem Doppeltor, aber mit einem Halbwindstart am Anfang und einem Rennen in Gruppen von 6 Seglern. Die Starts waren aufregend, wenn sich die Segler bei Brettgeschwindigkeiten von 30 Knoten um die beste Startlinie stritten, die Lee- und Luv-Partien waren sehr taktisch mit zahlreichen Positionswechseln und der letzte Halbwindabschnitt sorgte für einige Fotofinishs. Diejenigen, die den America’s Cup kennen, wissen, was das ist. Dieselbe Spannung für viel weniger Geld.

Ein zusätzlicher „Kick” dieses Rennens wäre, wenn es in KO-Runden gesegelt würde. Anstelle von Medaillenrennen würde eine Reihe von Gruppenrennen mit den ersten 16 abgehalten werden. Die beiden letzten scheiden nach jeder Runde aus. Die letzte Runde würde mit vier Kitesurfer gemacht werden. Der Gewinner bekommt Gold, der Letzte nur einen Händedruck. Schliesslich kann man im Segeln eine Geschichte mit der ganzen Spannung und dem ganzen Drama wie bei allen anderen Sportarten erreichen.

Die verbleibenden zwei Tage dienten dazu, die Rennen zu verbessern und die Berichte vorzubereiten. Allerdings kam am späten Nachmittag des vierten Tags wieder eine steife Brise auf und einige Kiter fuhren mit Multihulls und Skiffs heraus, um sich mit diesen zu messen – dies wurde von den Seglern der anderen Klassen sehr geschätzt, so konnten sie die anderen Arten des Hochleistungssegelns kennen lernen.

Am Sonntag kamen die Versuche schliesslich zu einem Ende – mit einer weiteren Diskussionen zwischen dem ISAF-Evaluierungspanel und den Seglern darüber, wie man weiter vorgehen sollte, um das Kiteboarden zu den Olympischen Spielen 2016 zu bringen.
Die vorliegenden Optionen sind:
- Nur Windsurfen,
- Nur Kitesurfen,
- Teamwettbewerbe beider Sportarten.
Hoffen wir, dass die ISAF eine kluge Entscheidung im Interesse des Sports trifft – Das IOC beobachtet uns und wir hoffen, dass die Segelcommunity die Botschaft verstanden hat, neuen und jungen Seglern, vor allem aus Schwellenländern, den Sport nahezubringen. Das Beste, was man in diesem Zusammenhang tun kann, ist sicher der Kitesport. Nach dieser Woche in Santander hat niemand mehr Zweifel daran.

Quelle: IKA